Das neu gepolsterte Röhrentransportsystem spuckt mich in die heimische Wohnwabe. Paff, home sweet home, that was my castle.
Erst mal die linke Hirnhälfte deaktivieren, den ganzen Tag nach schönen Worten für das Dilemma der Gegenwart zu suchen ist anstrengend. Das Amt für kreative Wahrheitsfindung zahlt ganz gut, aussuchen konnte ich meine Arbeit sowieso nicht. Genau genommen hatte ich grosses Glück, das Amt für Berufe und Berufungen hätte mich genauso in die Plutoniumabbaustelle stecken können.
Das Hirn ganz auf Freizeit eingestellt schlurfe ich ins Freizeitzimmer und ordere Tisch und Ablenkung. Die Deckenschiene quietscht noch immer unerträglich. Sie wurde also heute immer noch nicht repariert. Scheiße, jetzt ist es schon 4 Tage her, dass ich den Schaden gemeldet habe.
Endlich ist der Tisch in der richtigen Position, da wird der Familienchip aktiviert: meine Mutter, ob ich schon genug Calcium injiziert und Sauerstoff inhaliert hätte (diese Sauerstoffmanie greift weiter um sich und geht mir dermaßen auf die Nerven).
Na klar, Mama, aber ich habe grade die linke Hälfte deaktiviert und will jetzt mindestens 20 Minuten nichts als bloße Lust spüren. Da schaltet sich auch noch Esther ein, jetzt wird's mir zu bunt und ich schalte den Familienchip ab (eh alles fake).
Die Projektion der Bibliothek aus dem 20. Jahrhundert ist sehr gelungen. Ich schiebe mir die Kant-Karte in den Hinterkopf und gehe in den Gelraum. Gel auf mild, belebend und absolut null Schwerkraft eingestellt. Die nächsten 20 Minuten werden sich wie mindestens 2 Tage anfühlen.
2 Tage später. Ein Anruf: Lisas Gott will mit meinem Gott sprechen. Nein, er ist nicht "zu Hause", er hielt es wohl für wichtiger meine vierte Vision zu überprüfen. Sobald er wieder da ist werde ich ihn zur Rede stellen.