Ich bin eine Frau, gut. Eine große, schwere Afrikanerin, auch gut. Beim Einkaufen, auf einem afrikanischen Markt, treffen mein Mann und ich zwei gute Freunde, auch ein Paar. Der Mann der anderen Frau begrüßt mich sehr herzlich. Herzlich ist untertrieben, voller Begierde fallen wir übereinander her. Unsere Partner schauen geduldig zu, ich fühle mich schuldig, doch wir können nicht aufhören.
Ich wache auf. Ein ohrenbetäubender Schuss aus nächster Nähe, ich bin wach! Michelle. Trotz Adrenalinstoß gelingt es mir die letzte Situation zu speichern. Nicht schlecht eine Frau zu sein, ich hatte es mir anders vorgestellt. Ich bin wieder ein Mann, die Gegenwart hat mich eingeholt. Ich frage mich, ob das Traumüberwachungszentrum mit dieser Bescherung nicht ein wenig zu weit gegangen ist.
Eine Bronx-Gang mit Schusswaffen und Messern rast auf mich zu, es wirkt so echt, dass ich fast darauf reinfalle. Raus hier! Ich bin schweißgebadet, endlich finde ich Helping Hand, und stelle das härteste Frühstücksprogramm seit der zweiten verheerenden Tsunami ab.
Sofort kontaktiere ich meinen Reality-Service. Ich bin wütend, ich schäume. Für heute hatte ich das mediterrane Strandfrühstück erster Klasse bestellt, das meine angekratzen Nerven beruhigen, mir einen idealen Start in einen beschissenen Tag geben sollte. Stattdessen stehe ich schon jetzt unter Strom, und das sichere Gefühl, dass es noch viel schlimmer kommen würde, raubt mir fast den Verstand.
Mein Reality-Consultant entschuldigt sich
sehr schnell, ein bisschen zu schnell, da kommt noch was...
"Sie haben das Bronx-Frühstuck gestern
um 18:35 selbst bestellt. Ihr personal code war korrekt. Und den würden
Sie ja nicht an andere weitergeben?"
MICHELLE
"Ja, natürlich, ich erinnere mich,
es sollte eine Überraschung für meinen Neffen werden, der dann
doch nicht kommen konnte. Entschuldigen Sie die Störung."
Dieses Drecksding! Als sei es nicht genug gewesen mich zu verlassen, im Stich zu lassen und uns beide so auf den sozialen Index zu katapultieren. Nun wollte sie mir auch noch mit fiesen kleinen Racheakten das Leben zur Hölle machen.
Nach zwei Jahren hatte sie mich doch zur DNA-Kombinationsanalyse rumgekriegt. Noch während des ersten Arztgesprächs bei dem Fortpflanzungsexperten Dr. Wilson, wurden unsere gemeinsamen potenziellen Kinder, direkt in das Sprechzimer projiziert. Nach nur zwei Kindern verließ Michelle weinend die Praxis.
Ich musste sogar noch die Rechnung übernehmen. Wütend eilte ich ihr nach. Ich erwischte sie noch vor dem Lift. Blind vor Wut riss ich sie am Arm herum und schrie sie an:
"Du glaubst doch nicht, dass diese Kinder nur auf meinem Mist gewachsen sind. Das Miese an ihnen, das kommt von dir, deine Tränensäcke, dein dünnes Haar, dein flacher Geist."
"Lass mich los", sie schlug wie eine Furie um sich, mittlerweile hatte sich ein Menschengruppe um uns gebildet. Wir hatten beide unser Gesicht verloren, ein solches Schauspiel gab es so gut wie nie in der Öffentlichkeit zu sehen.
Die Harmoniebehörde war von Dr.Wilson alarmiert worden. Michelle konnte grade noch sagen: "Ich hasse dich...", da wurden uns beiden Knebel und Handschellen angelegt. Wir fuhren direkt in die Harmonie-Klinik.
Doch weder die dreistündige Harmoniekur, die wir zunächst alleine, dann zusammen verbrachten, noch meine Entschuldigungen konnten sie bewegen ihren Hass zu mindern.
Glücklicherweise konnte sie ihre wahren Gefühle vor der Harmoniebehörde verbergen, der teure und gefährliche Workshop bei den Rebellen "How to hide your feelings", hatte sich also doch rentiert. Weder sie noch ich wollten die Nacht in einer Harmonisierungszelle verbringen.
Noch einmal war mein Job beim Ministerium
für kreative Wahrheitsfindung gerettet. Seither bin ich auf der Hut,
unbeschwerte Zeiten hatte es nie in meinem Leben gegeben, doch jetzt geht
es um die nackte Existenz, um Leben und Tod.